Monster Truck

Foto Monster Truck
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More risk, More Fun!

Berlin, 27. Juni 2011 Die Opfer dieser "Jihad-Entführung" sind eigentlich keine Opfer. Sie haben sich immerhin freiwillig angemeldet und hätten auch Neonazi-, Robin-Hood- und Mexikanerbanden-Stil wählen können. Dieses nette Angebot stammt vom Gießener Performance-Entführungstrupp Monster Truck und sorgt für ein wirklich unvergessliches Ferienerlebnis, von dem die Urlauber zu Hause erzählen können.

Berlin del Mar – Performancefestival Eine Produktion von Sophiensæle
Künstlerische Leitung: Mark Thomann und Franziska Werner, Bühne/Ausstattung: Nyffeler, Philipp & Hetzer, Produktionsleitung: Tatjana Brode.
Mit: Gintersdorfer/Klaßen, Das Helmi, Monster Truck, Turbo Pascal, Patrick Wengenroth, Jared Gradinger, Maiden Monsters, Johannes Müller, Beatrice Fleischlin, Lovefuckers, Till Müller-Klug/Nina Tecklenburg, Pony Pedro und anderen.
Von und mit: Anna Katharina Becker, Manuel Gerst, Sebastian König, Matthias Meppelink, Sahar Rahimi, Marcel Schwald, Ina Vera

Tagesspiegel, 25.6.2011

"Berlin del mar" tue erst gar nicht so, "als wäre es ein künstliches Paradies", schreibt Sandra Luzina (Tagesspiegel, 25.6.2011): "Attrappen statt Attraktionen." Der Location sei "ein gewisses Berlin-Flair nicht abzusprechen. Wenn man hier im Regen sitzt, den ruinösen Plattenbau betrachtet oder am Würstchengrill ansteht, bekommt man unweigerlich den Hauptstadt-Blues". Die Künstler stellten sich die Frage, "ob Berlin- Mitte inzwischen zum Ferienresort mutiert ist. Der Eröffnungsabend ist von kaum zu überbietender Tristesse. Zur Happy-Hour herrscht gähnende Langeweile." Auch für die Entführungen von Monster Truck gelte, "dass im Prospekt alles aufregender ist". Und Das Helmi nehme Kleists Text nur zum Vorwand, "um möglichst viele von ihren herrlich lumpigen, lausigen Puppen (...) über die Bühne tanzen zu lassen". Patrick Wengenroth habe in „Baywatch Ballermann Berlin“ den Bademeister-Darsteller David Hasselhoff auf den Plan gerufen. "Allerdings musste die Performance wegen Regens abgebrochen werden – was nicht schade war, weil die Darsteller offenkundig ihr Rettungsschwimmer-Praktikum geschwänzt haben."

"Wo's schimmelt, (...) da kommen in Berlin die Künstler", schreibt Dirk Pilz (Berliner Zeitung, 25.6.2011). Jetzt sind sie ins ehemalige Haus der Statistik gekommen, um ein "Feriendorf" einzurichten: "Sieht alles ziemlich runtergerockt aus, soll es auch. Denn Berlin del mar ist Kunscht, ein temporär eingerichtetes Open-Air-Festival für Performancesachen. Die dominierende Daseinsweise in diesem Ästhetik-Ressort ist entsprechend Ironie, Ironie und wieder Ironie." Lustig sei es "mit dem Theaterkollektiv Turbo Pascal im Einbetthotelzimmer". Und weil es kein Festival und kein Ferienressort gebe, "das nicht mit Eröffnungsreden bedacht wird", halten hier Dr. Angela Merkel und Klaus Wowereit ihre "gesampelten Pseudoreden". Passe bestens: "Alles ist hier pseudo, ist halbfiktiv, halbreal, halbernst." Berlin del mar sei "ein Hochfest der butterweichen Augenzwinkerironie". Herrlich respektlos sei die Inszenierung von Das Helmi. Alle Schubladen würden hier derart durcheinander geraten, "dass man meint, diese unsere Welt wäre doch änderbar. Das ist, statistisch gesehen, der Ausnahmefall an diesem neuen Performancestandort".

nachtkritik.de Das Performance-Festival Berlin del Mar – Abenteuer-Urlaub am Alex Berlin all-inclusive Text, Filme, Fotos von Matthias Weigel

Berlin, 27. Juni 2011. Die Opfer dieser "Jihad-Entführung" sind eigentlich keine Opfer. Sie haben sich immerhin freiwillig angemeldet und hätten auch Neonazi-, Robin-Hood- und Mexikanerbanden-Stil wählen können. Dieses nette Angebot stammt vom Gießener Performance-Entführungstrupp Monster Truck und sorgt für ein wirklich unvergessliches Ferienerlebnis, von dem die Urlauber zu Hause erzählen können.

Die "Toma Hawk Tours" der Gruppe "Monster Truck"*

Urlauber? Mit dem Festival "Berlin del Mar" haben die Sophiensæle mitten in Berlin ein Ferien-Resort ausgerufen, mit Instant-Strand und Palmen-Bar. Besucher des Performance-Festivals im Haus der Statistik am Alexanderplatz werden zu Urlaubsgästen und können im Liegestuhl ein Bierchen schlürfen, aufs Hotelzimmer gehen oder Sandburgen bauen. Zum Glück sorgt die marodierende Gruppe Monster Truck dafür, dass es nicht zu gefällig wird und lässt bei den Raubzügen auch mal einen gedeckten Plastiktisch kippen.

Risse in der Ressort-Idylle

Denn bei allen Annehmlichkeiten will sich "Berlin del Mar" nicht in einer reinen Wohlfühl-Insel erschöpfen. Man sucht den Riss im Perfekten, den Abgrund der übersättigten All-inclusive Wänste, die Unersättlichkeit der Öko-Ego-Touristen. So tauchen auch plötzlich besonders penetrante Urlauber auf, die kurz darauf ebenso schnell wieder verschwinden: Was auf Mallorca der Deutsche, ist in Berlin del Mar – der Yeti?