Monster Truck

Foto: Christian Kleiner
Foto: Christian Kleiner

Pinocchio

Ein Kindertheaterstück ab 8 Jahren

Wenn uns bei jeder Schummelei eine lange Nase wachsen würde, wäre unser Leben ganz schön chaotisch. Pinocchio hat schwer mit seiner langen Lügennase zu kämpfen und oft denken wir: Geschieht ihm schon recht! Soll er halt einfach nicht lügen. Aber wie ehrlich sind wir bei diesem V orwurf eigentlich uns selbst gegenüber? Wie oft lügt jeder von uns im Alltag? Ausgehend von der bekannten Geschichte des hölzernen Jungen beschäftigt sich die Theatergruppe Monster Truck mit Lügen und Wahrheiten. Gemeinsam mit dem Ensemble des Jungen NTM erschafft sie ein Spektakel aus Gameshow, Geschichtenverdrehung und Interaktion. Mitlügen ist möglich!

REGIE, AUSSTATTUNG Monster Truck (Manuel Gerst, Sahar Rahimi, Mark Schröppel, Sylvia Sobottka) MIT Johannes Bauer, Sebastian Reich, Hanna Valentina Röhrich, Uwe Toppmann DRAMATURGIE Lisa Zehetner THEATERPÄDAGOGIK Julia Waibel REGIEASSISTENZ Thomas Paul Mayer

Eine Produktion des Jungen Nationaltheater Mannheim mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Nationaltheater Mannheim

06. Apr. 2018
18:30 Uhr

08. Apr. 2018
16:00 Uhr

10. Apr. 2018
10:00 Uhr

11. Apr. 2018
10:00 Uhr

12. Apr. 2018
10:00 Uhr

15. Mai. 2018
11:00 Uhr

16. Mai. 2018
11:00 Uhr

17. Mai. 2018
11:00 Uhr

27. Jun. 2018
09:30 Uhr

28. Jun. 2018
09:30 Uhr

29. Jun. 2018
10:00 Uhr

30. Jun. 2018
11:00 Uhr

18. Jul. 2018
11:00 Uhr

19. Jul. 2018
11:00 Uhr

20. Jul. 2018
11:00 Uhr

14. Okt. 2018
16:00 Uhr

15. Okt. 2018
11:00 Uhr

18. Okt. 2018
11:00 Uhr

19. Okt. 2018
11:00 Uhr

06. Nov. 2018
09:30 Uhr

07. Nov. 2018
09:30 Uhr

08. Nov. 2018
09:30 Uhr

Martin Vögele: "Die Wahrheit hinters Licht geführt", Mannheimer Morgen, 9.4.2018

„Ihr seid meine letzte Chance“, wendet sich Pinocchios Stimme aus dem Off an das Publikum. „Spitzt euren Verstand und beantwortet die Fragen. Passt aber auf: Stromboli ist ein hinterlistiger Schmierenkomödiant!“ Eine ernstzunehmende Warnung, wie sich zeigen wird, denn der Puppenspieler mit dem wildem Bart und Haar scheint bereit, die Wahrheit ohne Skrupel zu beugen und zu verdrehen, um diese Show zu gewinnen, bei der nicht nur Pinocchios hölzernes Seelenheil auf den Spiel steht.

Mitraten im „1, 2 oder 3“-Format

„Pinocchio“ heißt auch das interaktive Stück des Jungen Nationaltheaters Mannheim, bei dem die Theatergruppe Monster Truck (Manuel Gerst, Sahar Rahimi, Mark Schröppel, Sylvia Sobottka) für Konzept, Regie, Ausstattung und Musik verantwortlich zeichnet. Das Publikum ab acht Jahren erhält hier als Mitspieler einer theatralen Quiz-Show die Möglichkeit, der dem gleichnamigen Kinderbuch-Klassiker entlehnten Holzpuppe ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen – ein richtiger Junge zu werden.
Die Wette gilt, „wenn die Kinder gewinnen, dann wird Pinocchio verwandelt, und für ihre Hilfe bekommen sie eine Belohnung“, erläutert die sprechende Grille (Hanna Valentina Röhrich). „Und falls sie verlieren, bekommst du sie alle für dein Puppentheater“, stellt sie ihrem Gegenspieler Stromboli in Aussicht, der als Moderator der Show agiert (wunderbar zwielichtig und gepflegt das Publikum beschimpfend: Uwe Topmann). Schauspieler Johannes Bauer mimt die Katze und präsentiert die Antworten, Sebastian Reich ist Fuchs und Show-Assistent in Personalunion.

Bedenkenloses Lügen für Geld

Das Frage-Quiz folgt dem bekannten „1, 2 oder 3“-TV-Format: Die Spieler aus einer Gruppe von jeweils zehn Kindern entscheiden sich für eine von drei möglichen Antworten, die auf drehbaren Grabsteinen enthüllt werden. Dann gilt: „Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht.“ Nur ist dieses Licht eben nicht zwingend den Regeln der Fairness und der Wahrheit verpflichtet.
So lässt sich bei der Frage „Wann ist eine Lüge gerechtfertigt?“ ein profundes Maß an subjektiv-manipulativem Potenzial erkennen, wenn unter den Möglichkeiten („Wenn ich einem Freund/einer Freundin helfen kann“/„Wenn ich viel Geld bekomme“/„Wenn ich mit Gewalt gezwungen werde“) die „Geld“-Antwort von Stromboli als richtig erachtet wird. Und um klaglos hinzunehmen, dass der Eiffelturm in Heidelberg steht, bräuchte es schon eine hohe Duldsamkeit für alternative Faktenlagen.
An der blauen Fee als Stargast (abermals: Sebastian Reich) ist es schließlich, für Chancengerechtigkeit zu sorgen. „Pinocchio“ wird von den vier Darstellern (die zudem als Live-Show-Band mit rotzigem Charme spielen und singen) mit reichlich Verve und Witz auf die Bühne gebracht.
Monster Truck gelingt mithin eine kritisch-unterhaltsame Inszenierung, die nicht ohne makabere Momente bleibt, und die ihre Wirkung nicht verfehlt – lässt sie doch unmittelbar erleben, wie leicht die Wahrheit auf den Kopf gestellt und wie folgenreich das Lügen ist.

Heike Marx: "Richtig ist noch lange nicht wahr", Die Rheinpfalz, 10.4.2018

"Pinocchio", der beliebte Buch- und Theaterklasiker, ist im Jungen Nationaltheater Mannheim zu einer Quizshow geworden. Und was für eine! So viel Spaß und witzigen Hintersinn gab es auch an diesem als "Leuchtturm" des Kinder- und Jugendtheaters gerühmten Ort nicht so oft, und in dieser Form noch nie. Die für alternatives Erwachsenentheater bekannte Gruppe Monster Truck hat mit ihrer ersten Produktion für Kinder einen Hit gelandet. (...) Die Regie führende Gruppe Monster Truck (Manuel Gerst, Sahar Rahimi, Mark Schröppel, Sylvia Sobottka) bringt im Schauspieler-Quartett des Jungen Nationaltheaters Multi-Talente zum Erblühen: musikalische und tänzerische und auch, was Moderation, Animation und Entertainment angeht, sind alle in Hochform. (...) Wie Monster Truck zehn Kinder als aktive Spieler auf die Bühne bringt und zweimal auswechselt, ist ein pädagogisches Meisterstück. (...) Die Game-Show ist ein fulminantes Theater, und darin erfährt man, anders als im TV, etwas über das wahre Leben.